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Artikel im Made In Uri: Fusschirurgie – wo jeder Schritt zählt

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10. September 2025

Ob Sportunfall, Hallux oder Arthrose – in der Fusschirurgie des Kantonsspitals Uri (KSU) werden schmerzende Füsse behandelt.

«Der Fuss ist einer der kompliziertesten Körperteile. Er besteht aus 26 Knochen und je nach Zählweise 30 bis 33 Gelenken. Da ist es sinnvoll, wenn sich ein Chirurg oder eine Chirurgin auf die Füsse spezialisiert.» Das sagt Dr. med. Lukasz Sliwowski, der seit Anfang 2025 am KSU als Fusschirurg arbeitet. Er ist selber mehr per Zufall in das Gebiet hineingerutscht, weil er sich immer schon für Biomechanik interessierte und in einem auf Füsse spezialisierten Zentrum in der Nähe von Dortmund einen guten Lehrer hatte.

In die Fusschirurgie überwiesen werden ganz unterschiedliche Patientinnen und Patienten: Kinder mit angeborenen Fehlstellungen, junge Leute nach Sportunfällen, Personen mittleren Alters mit Hallux und ältere Personen mit Arthrose. Dr. Sliwowski rät vor allem den jüngeren Personen, Beschwerden nicht zu ignorieren, sondern diese frühzeitig in der Hausarztpraxis abklären zu lassen. Je früher eine Behandlung einsetzt, umso höher sind die Chancen, ohne Operation davonzukommen.

Im KSU findet dann als Erstes eine genaue Anamnese statt. Die Füsse werden physikalisch und, wenn nötig, mit verschiedenen bildgebenden Verfahren untersucht. Die Behandlung erfolgt zuerst konservativ, das heisst ohne Operation. Zum Einsatz kommen Physiotherapie, Schuheinlagen, Spezialschuhe, Ultraschallwellen und anderes. Dazu arbeitet Dr. Sliwowski mit orthopädischen Schuhtechnikern zusammen. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung erfolgt, wird operiert – nach Möglichkeit minimalinvasiv, zum Beispiel in Form einer Gelenkspiegelung mit Kamera. Erst wenn alles nicht mehr hilft, wird eine offene Operation durchgeführt, etwa für eine Bandrekonstruktion.

Doch mit der Operation ist die Behandlung keineswegs zu Ende. Jetzt sind die Patientinnen und Patienten gefragt. In der Physiotherapie lernen sie, mit welchen Übungen sie den Fuss wieder beweglich und belastbar machen können. Diese Übungen gilt es auch zu Hause regelmässig zu machen. «Mit der Operation trage ich 60 % zur Heilung bei; für den Rest ist die Patientin oder der Patient selber verantwortlich – da heisst es, fleissig zu sein», meint Dr. Sliwowski. Die Nachbetreuung erfolgt durch die Urner Hausärztinnen und -ärzte. Bei einer guten Nachbehandlung stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Fuss sich vollständig erholt und die alte Beweglichkeit wiedererlangt. Ein Bruch in einem Gelenk birgt allerdings das Risiko, dass sich später eine Arthrose entwickelt.

Manchmal geschehen aber auch halbe Wunder. Im letzten Winter wurde eine Patientin nach einem Skiunfall mit einem komplizierten Bruch im Sprunggelenk eingeliefert. Dr. Sliwowski musste drei Platten einbauen und rechnete mit einer Genesungszeit von mindestens sechs Monaten. Doch nach drei Monaten tauchte die Patientin in normalen Schuhen bei ihm auf und meinte, sie hätte keine Schmerzen mehr. «Da freut man sich als Arzt.»

Was können wir tun, damit unsere Füsse gesund bleiben und wir gar nie in der Fusschirurgie landen? «Das Wichtigste ist, aktiv zu bleiben und sich zu bewegen», empfiehlt Dr. Sliwowski, «und zwar von klein auf.» Schon die Kinder sollen sich viel bewegen, am besten barfuss – das stärkt die Muskulatur und beugt Fehlstellungen vor. Ab sieben Jahren ist es wichtig, auf gute Schuhe zu achten. Schuhe, die zu klein sind oder drücken, können dazu führen, dass die Füsse krumm wachsen oder die Kinder einen falschen Gang entwickeln. Aber auch bei Erwachsenen ist Bewegung das A und O. «Aktivität beugt Übergewicht vor, stärkt die Muskeln und fördert die Beweglichkeit – das gilt für jedes Gelenk im Körper.»

Etwas Überraschendes hat Dr. Sliwowski zum Schluss parat: Einzelne Fussgelenke sind von Geburt an eigentlich recht steif. Im Alter werden sie manchmal zu beweglich, sodass das Versteifen eine mögliche Behandlung darstellt. Er hat eine Bekannte, bei der ein Gelenk in der grossen Zehe versteift wurde – und damit läuft sie zwei Marathons pro Jahr, schmerzfrei.