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Geschäftsbericht 2022

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Text: Tobias Haefliger, Beauftragter für Qualität

Die Qualität verbessern – zu welchem Preis?

Die aktuellste Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) fordert mehr Qualitätsnachweis und Verbindlichkeit. Neue Register entstehen, die Vorgaben und administrativen Aufwendungen nehmen kontinuierlich zu. Ziel ist es, die Qualität weiter zu verbessern – wer möchte das nicht? Aber zu welchem Preis? Gedanken zur Qualität im KSU und zur aktuellen Entwicklung im Gesundheitswesen.

Die Qualität im Schweizer Gesundheitswesen ist hoch. Diese hochzuhalten und stets weiter zu verbessern, ist ein zentrales Anliegen aller Spitäler. Potenzial ist da, die Qualität schweizweit weiter anzuheben.

Dies fordert auch das revidierte KVG, im Speziellen Artikel 58a: Die Verbände der Leistungserbringer und der Versicherer haben einen Qualitätsvertrag zur Qualitätsentwicklung abzuschliessen. In diesem Vertrag vereinbaren die Vertragspartner zentrale Qualitätselemente, anhand welcher die Spitäler und Kliniken die Qualität verbindlich, nachweislich und transparent im Sinne eines kontinuierlichen PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) entwickeln.

Die Leistungserbringer und Versicherer haben gemeinsam einen Qualitätsvertrag erarbeitet, den beide als zielführend und praktisch umsetzbar erachten. Die Verabschiedung durch den Bundesrat steht noch aus. Die Verzögerungen sind bedingt durch nach wie vor bestehende Grundsatz- und Finanzierungsfragen.

KGV-Revision - Chance oder Gefahr?

Die KVG-Revision birgt Chancen wie Risiken. Wie immer hängt es davon ab, wie das Ganze umgesetzt wird.

Chancen bestehen darin, dass durch die neu geschaffene Eidgenössische Qualitätskommission nationale Qualitätsprogramme koordiniert und finanziert werden können. So können neue und bessere Qualitätsindikatoren erarbeitet, eine höhere Transparenz geschaffen und das vorhandene Know-how national genutzt werden. Die Leistungserbringer und Vertragspartner sind aktiv gefordert zu liefern – dies kann stimulieren. In verschiedenen nationalen Gremien ist ein gegenseitiges Verständnis und ein proaktiver Wille zu spüren, wie die Qualität gemeinsam weiterentwickelt und Standards gehoben werden können – im gleichzeitigen Wissen darum, was praktisch auch machbar und von effektivem Nutzen ist.

Für diese Chancen braucht es die entsprechenden Ressourcen. Zwei Gedanken dazu:

  1. Die Umsetzung des Qualitätsvertrags benötigt zusätzliche finanzielle Mittel. Wenn diese nicht gesprochen werden, ist die Umsetzung nicht machbar. Trotz anderweitiger Signale aus Bern – dieser Aspekt kann und darf politisch nicht mehr umgangen werden.
  2. Der administrative Aufwand für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende nimmt laufend zu. Es entstehen neue Pflicht-register, neue Dokumentationspflichten, neue Programme. Sie alle haben das an sich stimmige Ziel, die Qualität weiter zu verbessern. Sie binden aber gleichzeitig Ressourcen.

Und wenn diese insgesamt gleich bleiben, bleibt anderes auf der Strecke. Die Qualität im Schweizer Gesundheitswesen ist bereits hoch. Die zusätzlichen Massnahmen erbringen somit nur noch einen bedingten Qualitätssprung. Sie bringen aber die Gefahr, dass gleichzeitig die Qualität an der Basis geschwächt wird – irgendwo kippt der Nutzen zulasten der Basisqualität. Die Frage stellt sich entsprechend immer auch: Wo setzen wir den Fokus? Wo liegt das effektivste Potenzial?

Fokus auf die Ergebnisqualität

So sehen wir im KSU einen grösseren Nutzen, an der Ergebnisqualität zu arbeiten, als neue Strukturen wie zum Beispiel Register zu schaffen.

Ein wesentlicher Teil der Qualitätssicherung liegt in der Kommunikation, im Patientenkontakt, in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Hier hilft kein zusätzliches Register. Mit dem Bezug des Neubaus haben wir uns hierzu klare Ziele gesetzt, diese mittels direkter Patientenbefragungen gemessen und die Ergebnisse besprochen. Dies brachte uns wertvolle Erkenntnisse, was gut läuft, was (noch) weniger gut, und wir konnten entsprechende Massnahmen umsetzen.

Gute Ergebnisse bedingen effiziente und klare Prozesse und einen kontinuierlichen Austausch der Beteiligten. Wir arbeiten im KSU nach standardisierten Prozessen, tauschen uns in verschiedenen Qualitätsgremien aus und fördern eine offene Lernkultur. Wir arbeiten elektronisch, damit alle rasch und sicher die nötigen Informationen haben – und nutzen die digitalen Möglichkeiten für zeitnahe und transparente Ergebnisse von Qualitätsmessungen und Patientenbefragungen.

Für das KSU haben Qualität und Patientensicherheit oberste Priorität. Die laufende Verbesserung der Qualität ist in unseren Strukturen und Prozessen verankert und wird in der täglichen Arbeit gelebt. Die Qualität im KSU ist gut – dies bezeugen die Messergebnisse und Patientenfeedbacks. Gleichzeitig können wir immer noch besser werden, und manchmal läuft nicht alles zufriedenstellend. Entsprechend sind wir laufend bemüht, Schwachstellen zu erkennen und Prozesse zu optimieren.

Wir sind froh um den Austausch mit anderen Spitälern und die Nutzung von national koordinierten Programmen und Instrumenten. Das KSU ist aktiv engagiert in der nationalen Qualitätsentwicklung und der Umsetzung des Qualitätsvertrags. Wir wollen die Chancen nutzen.