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Geschäftsbericht 2022

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Text: Fortunat von Planta, Spitaldirektor

Der Wandel als stetiger Begleiter

Was wir gemeinsam geschafft haben, macht uns stolz! Wer dachte, mit Covid-19 und dessen wirtschaftlichen Folgen sei bereits ein Maximum an Herausforderungen erreicht gewesen, irrte. Das Jahr 2022 brachte nochmals eine Steigerung mit sich: Der Bezug des Neubaus, der Ukraine-Krieg, die steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten sowie die Inflation wirken sich stark auf den Arbeitsmarkt und das Personalmanagement aus. Alle Mitarbeitenden waren in ihrem Berufsalltag gefordert, und die Führungspersonen im KSU waren mehr denn je Krisenmanagerinnen und -manager, die auf das Wohl ihrer Mitarbeitenden zu achten hatten, ohne dabei das Tagesgeschäft zu vernachlässigen.

Die im KSU vor der Covid-19-Pandemie oftmals gut funktionierenden Personalmanagementkonzepte und Arbeitspraktiken mussten ab Herbst 2021 innerhalb von kürzester Zeit an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Der Übergang zur Telearbeit und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitszeitgestaltung sowie die Beschaffung einer angemessenen ICT-Infrastruktur haben die Spitalführung und die Mitarbeitenden gefordert. Auch die Häufung von kurzfristigen Arbeitseinsätzen in Verbindung mit emotionalen Arbeitssituationen war eine unerwartete Herausforderung. Dazu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, von welchem die Spitäler aufgrund ihres Leistungsauftrages und der ungelösten Finanzierungsfragen besonders betroffen sind. Gleichzeitig zeichnet sich ein allgemeiner Wertewandel bei der Frage ab, welche Bedeutung die Arbeit gegenüber der privaten Interessen heute haben darf. Abgesehen von einer Digitalisierung der Geschäftspraktiken ergaben sich neue Anforderungen hinsichtlich der Vernetzung, Kommunikation, Förderung und Motivation der Mitarbeitenden.

Die Covid-19-Pandemie hat positive und negative Entwicklungsmöglichkeiten für das KSU mitgebracht. Zu den positiven Entwicklungsmöglichkeiten gehören die Orientierung an einer erhöhten Arbeitsplatzflexibilität, die Erhaltung einer zeitgemässen internen Kommunikation und die Förderung der Work-Life-Balance sowie der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Auch der strategischen Personalplanung, dem Gehaltsmanagement, der Entwicklung der Führungskräfte oder dem Generationenmanagement wird mehr Raum und Zeit eingeräumt als vor der Pandemie. So verfügt das KSU seit dem Jahr 2022 über eine Fachstelle Organisationsentwicklung, welche direkt der Spitalleitung angehängt ist. Mit diesem Know-how wurde die Grundlage geschaffen, dass sich das KSU konsequent und unter Berücksichtigung der diversen Personalbedürfnisse weiterentwickelt.

Zahlreiche Massnahmen wurden bereits beschlossen und umgesetzt. Bei anderen Massnahmen lassen wir uns bewusst ausreichend Zeit, um den Sachverhalt konzeptionell aufzuarbeiten, um schliesslich eine weitsichtige Lösung zu implementieren. Für die Spitalführung ist unbestritten, dass die strategische Führung, neue Arbeitsformen beziehungsweise Prozesse, Arbeitnehmerfokus, Kulturentwicklung und Digitalisierung zentrale Schwerpunktthemen sind. Die Ausarbeitung des Gesamtarbeitsvertrages wird zudem die Möglichkeit bieten, die Interessen der Mitarbeitenden durch unabhängige Institutionen einzubringen und vertreten zu lassen. Dies wird sowohl intern wie auch extern vertrauensbildend sein. Die entsprechenden Arbeiten wurden im Dezember 2022 aufgenommen.

Im letzten Jahr waren wir in einem besonderen Ausmass auf die Flexibilität unserer Mitarbeitenden angewiesen. Der Neubau brachte unerwartete und unbekannte Herausforderungen mit sich. In vielen Organisationseinheiten mussten unüblich viele Überstunden geleistet werden. Wo die spitaleigenen Personalressourcen nicht mehr ausreichten, um die vorhandene Arbeit zu bewältigen, musste auf externe Spezialisten zurückgegriffen werden. Dies war beispielsweise in der ICT der Fall. Mit dieser Unterstützung konnte der Bezug des Neubaus im Sommer sichergestellt werden. Letztendlich konnte der Betrieb im Jahr 2022 durchgehend und ohne Einschränkung aufrechterhalten werden. Mit Blick auf den Umzug in den Neubau und im Vergleich zu den meisten anderen Spitälern in der Schweiz ist diese Leistung bemerkenswert. Dabei ist sich die Spitalführung bewusst, dass unser Personal ein besonders hohes Commitment und Engagement zum Wohle der Urner Patienten und Patientinnen an den Tag legte. Dass insgesamt 78 Personen eine Ausbildung im KSU absolvieren (Berufslehre oder höhere Fachschule) zeigt, dass der Aus- und Weiterbildung nach wie vor ein hohes Gewicht beigemessen wird – was entscheidend ist für die Frage, ob wir aufgrund von Personalengpässen den Betrieb einschränken müssen.

Fachkräftemangel in der Praxis

Am KSU kannten wir bis vor wenigen Jahren einen gut organisierten Pikettbetrieb. Während des Pikettdienstes befanden sich die Mitarbeitenden gegen eine Pikettentschädigung zu Hause. Bei einem allfälligen Einsatz wurden sie per Telefon oder Pager an die Arbeit gerufen. Diese Arbeitsform hat im Verlauf der Jahre an Akzeptanz verloren, das moderne Freizeitverhalten liess dies je länger desto weniger zu. Wegen des akuter werdenden Fachkräftemangels im vergangenen Jahr haben wir in weiteren drei Disziplinen vom Pikettdienst auf den Schichtbetrieb umgestellt. Diese Reaktion auf die Forderungen des Arbeitsmarktes führte aber zu einem deutlichen Ausbau des Stellenplans. Konkret sind die Radiologiefachpersonen, die Fachpersonen Operationstechnik und die Fachärzte und -ärztinnen Anästhesie seit dem Jahr 2022 rund um die Uhr im Spital. Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass ohne die Umstellung auf den Schichtbetrieb wesentliche Teile des Spitalbetriebs nicht hätten ordnungsgemäss aufrechtgehalten werden können. Die Überbrückung von Engpässen über Personalverleih ist eine (teure) Option. Sie ist aber keine zweckmässige und keine langfristige Alternative, da sich Temporärkräfte nicht in einen Dienstbetrieb mit Pikettentschädigung einbinden lassen.