Text: Helen Simmen Langenberg, Leiterin Betriebswirtschaft
Das KSU muss im 2022 einen massiv höheren Verlust hinnehmen als geplant: Budgetiert war ein Defizit von CHF 1.62 Mio., effektiv liegt der Verlust im 2022 bei CHF 4.89 Mio.. Dies ist schwergewichtig auf den Bezug des Neubaus und den damit verbundenen deutlich höheren Ressourcenbedarf (Personal- und Sachaufwand) als erwartet zurückzuführen. Aber auch gesamtwirtschaftliche Herausforderungen wie der Fachkräftemangel oder die Teuerung trugen dazu bei. Erfreulich ist, dass die Beschaffung der medizintechnischen Geräte und der weiteren Mobilien zu tieferen Kosten als veranschlagt erfolgen konnte und dass der Ertrag trotz des sehr herausfordernden Jahres um CHF 2.94 Mio. (4.1 %) höher ausfiel als budgetiert.
Das Jahr 2022 stand ganz im Zeichen des zeitgerechten Bezugs des Neubaus. Dies war eine enorme Herausforderung für das KSU, denn nebst dem hohen Druck zur zeitgerechten Ausstattung des neuen Spitals mit den benötigten medizintechnischen Geräten sowie der ICT-Infrastruktur (diese sind gemäss Gesetz durch das KSU zu beschaffen und nicht Bestandteil des Verpflichtungskredits des Urner Volkes zum Um- und Neubau) galt es, den Umzug und die neuen Prozesse vorzubereiten. Trotz der insgesamt schwierigen Versorgungslage und stockenden Lieferketten ist es gelungen, alle Beschaffungen beschwerdefrei und insgesamt unter dem budgetierten Kostenrahmen zu tätigen sowie die zeitgerechte Lieferung sicherzustellen.
Nach dem Umzug, der dank hervorragender Vorbereitung problemlos verlief, galt es, in der neuen Umgebung und in den neuen Prozessen anzukommen. Dies war trotz intensiver Vorbereitung und vorgängig erfolgten Schulungen eine grosse Herausforderung, da beispielsweise parallel noch verschiedene Baumängel behoben werden mussten. Das insgesamt äusserst arbeitsintensive Jahr hat dazu geführt, dass die Personalkosten aufgrund von Stellenplanüberschreitungen, Überstunden und Rückstellungen für nicht bezogene Ferien CHF 2.22 Mio. (4.9 %) höher ausfielen als geplant.
Auch beim medizinischen Bedarf lag der Aufwand CHF 2.41 Mio. (17.1 %) über dem Budget, zum einen wegen Einmaleffekten im Zusammenhang mit dem Bezug des Neubaus (z.B. Einführung Kanban), zum anderen musste das KSU wegen des Fachkräftemangels und zur Sicherstellung der Patienten- und Patientinnenversorgung in unerwartet hohem Ausmass externes medizinisches Fachpersonal einkaufen. Zudem wirkte sich die Teuerung in der zweiten Jahreshälfte mit Preisaufschlägen von zum Teil bis zu 10% auf die Einkaufspreise aus. Ebenfalls liegt der Sachaufwand CHF 1.45 Mio. über dem Budget (16.7 %). Diese Mehrkosten sind hauptsächlich auf die rechtzeitige Inbetriebnahme und die Sicherstellung des unterbruchfreien Betriebs des Neubaus zurückzuführen, die unter anderem mehr externe ICT-Dienstleistungen erforderten als erwartet.
Trotz der hohen Belastung der Mitarbeitenden und der mit dem Umzug verbundenen teilweisen Einschränkungen in der Leistungserbringung ist es mit Blick auf die Zukunft umso erfreulicher, dass der Ertrag insgesamt um CHF 2.94 Mio. (4.1 %) über den budgetierten Erwartungen sowie CHF 695’000 (1.0 %) über dem Vorjahr zu liegen kam. Zudem konnten die Erwartungen in allen Bereichen übertroffen werden. So lag zwar die Anzahl stationärer Patientinnen und Patienten unter den Erwartungen, jedoch hat die Fallschwere (CMI bzw. das durchschnittliche Kostengewicht der stationären Fälle) sowie der höhere Zusatzversichertenanteil insbesondere nach Bezug des Neubaus dazu geführt, dass der stationäre Ertrag CHF 833’000 (2.1 %) über dem Budget liegt, wobei auch die Test- und Impferträge dazu beigetragen haben. Im ambulanten Bereich konnte das Budget ebenfalls übertroffen werden, der Ertrag liegt CHF 585’000 (3.1 %) über den Erwartungen und gar CHF 1.38 Mio. (7.5 %) über dem Vorjahr. Dies ist zum einen auf den Trend zur weiteren Ambulantisierung und zum anderen auf den punktuellen Ausbau der ambulanten Angebote am KSU zurückzuführen, zum Beispiel der Schmerzsprechstunde und des Wundambulatoriums.
Ein Neustart ist immer mit vielen Unsicherheiten und unerwarteten Kosten verbunden. Dass die Mehrkosten aber derart viel höher ausfielen als geplant, ist schwergewichtig auf die Ausnahmesituation und die fehlenden Erfahrungswerte rund um den Neubau zurückzuführen und damit einmalig. Der operative Verlust beträgt CHF 440’000, die EBITDAR-Marge liegt bei 0.6 % und damit massiv unter den Budgeterwartungen von 3.8 %. Die Abschreibungen liegen mit CHF 1.99 Mio. leicht über dem Budget. Es resultiert ein Verlust von CHF 4.89 Mio., der deutlich über dem budgetierten Defizit von CHF 1.62 Mio. liegt.
Die Aktiven haben aufgrund der Investitionen im Zusammenhang mit dem Neubau um CHF 3.0 Mio. zugenommen. Das Fremdkapital stieg um CHF 8.3 Mio. an, und das Eigenkapital nahm um CHF 5.3 Mio. ab. Die Eigenkapitalquote liegt bei 37.4 % und damit im Branchenvergleich im Mittelfeld.
Ausblick
Der hohe Verlust ist schmerzhaft und schwächt die finanzielle Situation des KSU empfindlich. Umso höher ist nun der Druck auf die Sicherstellung der Erreichung der finanziellen Ziele ab 2023. Fürs 2023 ist ein Gewinn von CHF 750’000 budgetiert, und gemäss aktueller Finanzplanung wird das KSU die für Spitäler als Minimalziel geforderte EBITDAR-Marge von 10% im Jahr 2025 erreichen können. Dies ist dank des attraktiven und effizienten Neubaus grundsätzlich möglich, jedoch nur realisierbar, wenn sich der Kostendruck nicht noch weiter verstärkt und keine neuen regulatorischen Vorgaben zu weiteren massiven Ertragseinbussen oder Mehrkosten führen. Grosse Sorgen bereiten uns die nach wie vor verhärtete Tarifsituation sowie der Fachkräftemangel, denn gemäss einer aktuellen Prognose von PWC wird sich dieser weiter verschärfen, sodass im Jahr 2030 rund 30’500 Pflegefachkräfte sowie 2000 Ärztinnen und Ärzte fehlen dürften. Der Spitalrat und die Spitalleitung werden alles daransetzen, diese grossen Herausforderungen proaktiv und mutig zu meistern.